Oida auf Altgriechisch
Einmal im Kreis
Ein Wörterbuch des Wienerischen definiert das Wort Oida (Alter) als einen Diskussionsmarker, also als ein Signal, eine Markierung. Nach dem Sprachwissenschafter Manfred Glauninger ist es sowohl Anrede als auch Ausruf und drückt je nach Betonung ein Gros der Gefühlspalette aus - Wut bis Begeisterung ebenso wie ungläubiges Erstaunen oder Dankbarkeit.1 Der Kabarettist Heinz Hofbauer beschäftigt sich in seinem Programm „Fünf (Sie sagten zu mir „Oida“ und hatten leider recht …)“ damit und fordert eine Bildungsoffensive in Sachen Oida.
Förderunterricht in Kindergärten und Schulen: „Oida fia Junge“. Kursangebote in Seniorenheimen: „Oida fia Oide“. Und in Pflegeheimen: „Oida, bevur’s z’spät is“. Weiters Zusatzschilder auf Grabsteinen: „Sichst! Jetzt is z’spät - Oida!“ Und man solle das Wort auf jeden Fall in seinem Wortschatz haben. „Weil die Grenzen deiner Sprache, Oida, des san die Grenzen von deina Welt!“
Während hier der Wiener Ludwig Wittgenstein zitiert wird, kommen wir nun zum Franzosen René Descartes. Dieser hat in seinem großen Werk zur Vereinheitlichung der Geometrie einen Ansatz zur Kreativität in der Wissenschaft angewendet, bei dem man mit einfachen Mitteln ein Produkt herstellt, das - wenn man es wiederum als Mittel verwendet - Aufgaben zu lösen erlaubt, die man mit den ursprünglichen Mitteln nicht hätte lösen können. Zum Beispiel war im antiken Griechenland ein Zirkel in erster Linie ein Instrument zum Markieren von Distanzen. Man kann sich gut vorstellen, was derjenige ausrief, der entdeckte, was man mit einem Zirkel sonst noch alles machen kann!
Der Kreis schließt sich jetzt mit dem Gedanken an sozialökonomische Betriebe (SÖB) und gemeinnützige Beschäftigungsprojekte (GBP), in denen die Ausführung betrieblicher Aktivitäten als Mittel dient, Menschen beim Start in den regulären Arbeitsmarkt zu unterstützen. Diese kreative Leistung rechtfertigt allemal einen Ausdruck der Begeisterung.
Nuzzes wünscht einen schönen Start in einen neuen Frühling!
Fotos: Simone Pellegrini auf Unsplash (1), Erich Schuster (2)
Ist Digga das neue Oida? Kurier, 6. Sep. 2023
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